Gabriel Yoran
Gabriel Yoran, Gründer und Geschäftsführer Steganos Software GmbH

Das Überraschendste an den anglo-amerikanischen Abhörprogrammen ist, dass kaum jemand wirklich überrascht ist. Noch im Februar gingen bei einer Befragung unter Steganos-Nutzern 61% davon aus, dass staatliche Stellen ihre Kommunikation in irgendeiner Form mitlesen wollen oder können.

„War doch eh klar“, „Ich bin nicht überrascht“, „Haben Sie etwas anderes erwartet?“ – das sind typische Reaktionen der Steganos-Nutzer. Die Empörung ist der Politik vorbehalten, die die Überwachungsaktivitäten aus Übersee für den Wahlkampf zu nutzen versucht.

Bedenklicher ist eher das Desinteresse in der Breite: Die Überwachung ist weit weg, ich habe ja nichts zu verbergen – und wenn die Geheimdienste wollen, finden sie sowieso einen Weg. So klingt Resignation.

Dabei ist sie völlig fehl am Platz. Seit 16 Jahren kämpfen wir um Aufmerksamkeit für unser zugegeben sprödes Thema, die Privatsphäre. Und nie hatte sie eine solche Bühne. Auf höchster Ebene wird darüber diskutiert, warum Freunde einander belauschen. Und dabei fallen die Paradigmen wie die Fliegen: So erklärt sich die CSU mal schnell zur „Datenschutzpartei„. Und die Europarichter ohrfeigten gleich am ersten Verhandlungstag zur Zukunft der Vorratsdatenspeicherung die Vertreter der systematischen Speicherung von Verbindungsdaten: Es sei nicht belegt, dass diese derart unverhältnismäßige Maßnahme wirklich schwere Verbrechen aufzuklären oder gar vermeiden helfe.

Julian Assange von WikiLeaks erinnerte am Dienstag im Guardian daran, welchen historischen Bedeutungszuwachs die Verschlüsselung in den letzten Jahren erfahren hat. Verschlüsselung ist der einzige wissenschaftlich beweisbare Schutz vor Überwachung, egal durch wen.

Es wird auch so schamlos mitgeschnitten, weil wir, die Internet-Nutzer, es den Geheimdiensten so leicht gemacht haben. Wir schicken unsere Daten im Klartext übers Netz. Überraschen Sie doch mal Ihre zuständige Überwachungsstelle: Verschlüsseln Sie Mails und Dateien, egal welche Software sie dafür benutzen. Trauen Sie sich und zeigen Sie, dass Sie nicht aufgegeben haben, ein Bürger zu sein, der für sein Recht auf Privatsphäre kämpft. Und sei es auch nur mit ein paar Mausklicks.